Das Thema bewegt die Bürger seit Wochen, und auch am Samstag bei einer Einwohnerversammlung vor Ort im "Traumgarten" wurde hart um die geplante Natur-Kita-Gruppe (20 Halbtagsplätze) in dem Grünzug gerungen. Zu Anfang ging es heiß her. Im Verlauf wurde die Diskussion sachlicher. Als alle Sichtweisen und Argumente ausgetauscht waren, stellte die Interessengemeinschaft (IG) Traumgarten zufrieden fest, dass nun die Option "Bauwagen" geprüft wird.
An der Versammlung im "Traumgarten" nahmen gut 100 Anwohner, Ratsmitglieder, Erzieherinnen teil. Foto: Kathrin Damwitz700 Unterschriften für Erhalt des Traumgartens
Gegen den Bau eines bereits von den Planern Verena und Peter Dörhöfer grob geplanten Blockhauses (Kosten: 120 000 Euro) in dem Grünzug hatte die IG 700 Unterschriften gesammelt, die ihre Vertreter an Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig (SPD) übergaben. Sie befürchtete weitere Bebauung durch die Hintertür und eine unnötige Flächenversiegelung.
Thomas Becker-Theilig, der für Kindergärten zuständige Beigeordnete Johannes Schöller, Vertreter des Planungsbüros sowie Biologe Thomas Merz, der das Artenschutzgutachten erstellt hatte, gaben Auskünfte. Danach kamen Bürger zu Wort, die Einwände, Anregungen, Fragen hatten. Und Annette Nacke, die die BUND-Kindergruppe im "Traumgarten" ebenso leitet wie die Oppenheimer Natur-Kita, meldete sich. Sie brach eine Lanze für einen Bauwagen, den auch die Anwohner gegenüber einer Blockhütte bevorzugen würden. Der Standort "Traumgarten" für eine Natur-Kitagruppe erscheine ihr "optimal, damit sich die Kinder entfalten können", sagte Nacke. Eine Vertreterin der Bodenheimer Spielleitplanung fügte hinzu, dass auch dieses Gremium den Platz als gut geeignet erachte. Sie plädierte dafür, dem Personal ein Mitspracherecht bei der Wahl zwischen Bauwagen oder Blockhaus einzuräumen.
Die Maße dieser Schutzhütte, die inklusive Vorbau knapp 60 Quadratmeter des 8700 Quadratmeter großen "Traumgartens" beanspruchen würde, hatte der Planer mit Leuchtspray auf dem Boden markiert.
Thomas Becker-Theilig wies darauf hin, dass die naturpädagogischen Fachkräfte der Ortsgemeinde eine Blockhütte favorisieren. Auch ein Bauwagen benötige im übrigen eine Betriebserlaubnis.
Für die Hütte müsse der Bebauungsplan geringfügig in dem örtlich klar definierten Bereich geändert werden, informierte Peter Dörhöfer. Im städtebaulichen Vertrag solle festgeschrieben werden, dass die Blockhütte die einzige Bebauung bleibe, sicherte Becker-Theilig zu. Die Zuwegung erfolge über Graswege; eine Umzäunung sei nicht geplant. Die zwei Parkplätze werden außerhalb des "Traumgartens" nachgewiesen. Dass die Kinder ihre Streifzüge durch die Natur nicht Richtung Straße ausdehnten, dafür sorge das Betreuungspersonal, ergänzte Johannes Schöller. Dörhöfer gab zu bedenken, dass der Boden unter einem Bauwagen ebenfalls beeinträchtigt würde. Es bestehe kein "messbarer Unterschied" zu einzelnen Betonfundamenten.
"Es zeugt von gelebter Demokratie, wenn auch die Gegner zu Wort kommen", meinte eine Rednerin. Ein IG-Mitglied plädierte für einen Bauwagen, hatte sich bei einem Hersteller erkundigt. Gelöst werden müsste bei dieser Variante noch die Toilettenfrage; hier wären auch Naturvarianten denkbar oder die WCs im benachbarten katholischen Kindergarten könnten nach Vereinbarung mitgenutzt werden. Im Gespräch mit der AZ blieb Bürgermeister Becker-Theilig in Sachen Bauwagen zurückhaltend, denn hier seien auch hygienische Gesichtspunkte etwa beim Trinkwasser zu beachten. Christian Henkes, Naturschutzbund Nabu, warnte vor einer Beunruhigung des Areals im "Traumgarten" durch die Kinder. Er schlug einen Standort nördlich des Fußweges vor, der die Kapellenstraße mit den Neubaugebieten verbindet. In diesem Bereich steht derzeit eine Tischtennisplatte. Doch dort befindet sich auch eine Ausgleichsfläche, auf der der Artenschutz zu beachten ist, gab Becker-Theilig zu bedenken.
POSITION DER CDU
Der Vorsitzende der CDU-Opposition im Gemeinderat, Wolfgang Kirch, sagte, seine Partei trage eine Natur-Kitagruppe mit, allzumal sie von Eltern und Fachpersonal gewollt sei. Der Standort "Traumgarten" sei nach der Nicht-Genehmigung des Standortes Dollespark sehr kurzfristig ins Spiel gekommen. Für die CDU erscheine ein Bauwagen ausreichend, wenn die Toilettenfrage geklärt sei. Kirch schlägt eine Prüfung des vom Nabu vorgeschlagenen Alternativ-Standorts vor.
Kommentar: Flurschaden
Kathrin Damwitz
Die Verwaltungsspitze beteuert völlig zu recht, dass sie die Bodenheimer gar nicht früher über Detailplanungen zur Natur-Kitagruppe im "Traumgarten" hätte informieren können, da es noch keine Pläne gab und die Gremien auch noch nicht unterrichtet waren. Dennoch wäre es gut gewesen, den Bürgern von Anfang an klarer zu sagen, was vorgesehen oder vorstellbar ist im Grünzug. Und warum plötzlich dieser neue Standort in die engere Wahl rückte – der ja von naturpädagogisch geschultem Kita-Personal mit ausgeguckt wurde, was sehr zu begrüßen ist. Als allerdings besorgte Einwohner in der Fragestunde im Gemeinderat im Frühjahr nach den Plänen im "Traumgarten" fragten, wurden sie zurückgewiesen mit dem Hinweis, sie könnten sich während der Offenlage äußern und das Verfahren gehe ganz geregelt seinen Gang. Unsicherheit machte sich breit, Fehlinformationen kursierten, Spekulationen gediehen. Hätte die Verwaltung früher kommuniziert, wohin der Weg gehen soll, hätte sich der Flurschaden wahrscheinlich in Grenzen gehalten. So aber heizte sich die Stimmung unnötig auf. Wie aufgebracht manche Bürger immer noch waren, zeigte sich auch am Samstag. Gut, dass sich die Debatte später versachlichte, denn gegenseitige Schuldzuweisungen bringen nichts. Es geht um ein wichtiges Thema: Kita-Plätze.
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