Es ist ein grünes Idyll, das sich in den letzten 20 Jahren beim Baugebiet "Kapelle" entwickelt hat. Der von den Kindern "Traumgarten" getaufte öffentliche Grünzug beherbergt Tiere, Pflanzen, wuchert ungestört vor sich hin. Und er bietet prima Platz zum Spielen, für Streifzüge durch die Natur und das Kennenlernen von Flora und Fauna. Dass dort jetzt im südlichen Bereich nahe der Ortsrandstraße eine neue Natur-Kita-Gruppe der Ortsgemeinde ihren Standort haben soll (die AZ berichtete), treibt die Anrainer um.
Ein buntbemaltes Schild weist hier den Weg in den Traumgarten. Ein Teilbereich soll von der Natur-Kita genutzt werden. Foto_Michael BahrSie haben sich zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen und möchten sich für den Erhalt des "Traumgartens" in seiner derzeitigen Form einsetzen. Sie plädieren für einen aus ihrer Sicht besser geeigneten Standort, etwa am Dollespark, und wollen mit einer Unterschriftensammlung dieser Forderung Nachdruck verleihen. Für die Verwaltung halten hingegen Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig und Beigeordneter Johannes Schöller (SPD) fest, dass der "Traumgarten" den einzigen und idealen Standort für eine Naturkita-Gruppe darstellt.
Geradezu absurd erscheint es Sabine und Peter Winhart, Helga und Leander Reinbott sowie weiteren Familien, dass für die neue Natur-Kitagruppe ausgerechnet die Grünfläche versiegelt wird, die seinerzeit eigentlich als Ausgleich für Versiegelungen im Neubaugebiet Kapelle diente. "Hier leben Rehe und ihre Jungen, die von jedermann beobachtet werden können. Ebenso Fasane, Eulen, Käuzchen", nennt Helga Reinbott ein Beispiel. "Wir sind keinesfalls Gegner eines Natur-Kindergartens, wir haben ja selbst Kinder, und uns stört auch Kinderlärm nicht. Aber eine 40 Quadratmeter große Blockhütte plus 20 Quadratmeter Veranda ist zu groß fürs Biotop hier", fügt Peter Winhart hinzu. Hinzu kämen ja auch noch die Leitungen, die verlegt werden müssten, da die Infrastruktur in dem Grünstreifen fehle. Von Parkplätzen ganz zu schweigen. Der Dolles-Park sei geeigneter, dort sei die Infrastruktur vorhanden. Ein Bauwagen wäre die bessere Lösung. Die Initiaitve hat sich in Hahnheim den dortigen Bauwagen der Naturgruppe angeschaut. Dieser diene als Unterschlupf, und die Kinder bewegten sich ansonsten, wie es das Konzept einer Natur-Kita nunmal vorsehe, vorwiegend im Freien.
Thomas Becker-Theilig und Johannes Schöller kündigen eine baldige Einwohnerversammlung an, an der auch Annette Nacke, die den "Traumgarten" mit der BUND-Naturkindergruppe Bodenheim nutzt, teilnehmen soll. Annette Nacke sagte der AZ, sie begrüße es grundsätzlich, dass Bodenheim eine Natur-Kita-Gruppe einrichten wolle. Und sie erachte nur den "Traumgarten" als dafür geeignet. Becker-Theilig gibt zu bedenken, dass die allgemeinen Anforderungen an den Standort einer Natur-Kinder-Gruppe etliche Alternativvorschläge ausschließen. Beispiel Dollespark: Das Landesamt für Jugend und das Kreisjugendamt raten ab, weil sich der Schrebergarten in unmittelbarer Nähe zur intensiven Landwirtshaft befinde und nicht naturnah sei. Es gebe dort keine ökologische Vielfalt für Streifzüge durch die Natur. Der Standort am Pappelwäldchen Rheinallee scheide laut Revierförster wegen der Astbruchgefahr aus.
Ein Planungsbüro arbeite derzeit Pläne für die Blockhütte aus. Eine ähnliche Hütte habe sich die Verwaltung in Saulheim angeschaut, die Erfahrungen dort seien sehr gut. Aus pragmatischen Gründen lehne man einen Bauwagen ab, sagte Becker-Theilig. "Wir wollen an dieser Stelle eine barrierefreie Dauereinrichtung. Kleine Toiletten sind in die Hütte integriert." In der Oppenheimer Natur-Kita werde ein Bauwagen genutzt, um ihn bei Hochwasser an andere Stelle verschieben zu können, das sei in Bodenheim nicht nötig. Von den über 7000 Quadratmetern des Grabens beanspruche die Hütte gut 60.
AUCH "WÜHLMÄUSE" STREITTHEMA
Gegen den Wegfall des Spielplatzes "Im Westrum" durch die notwendige Erweiterung der Kindertagesstätte "Wühlmäuse" regt sich ebenfalls Widerstand. Acht Anlieger haben Sammeleinspruch eingelegt, weil sie seinerzeit bei der Baulandumlegung diesen Spielplatz mitfinanziert haben. Die Erweiterung an der vorgesehenen Stelle gehe zu ihren Lasten, argumentiert der Anwohner und frühere Ortsbürgermeister Horst Kasper, der mit seinen Mitstreitern für eine Erweiterung der Kita auf dem Geländes des Bolzplatzes plädiert und auch auf den alten Baumbestand auf dem Spielplatz hinweist.
Ein Teil des Spielplatzes werde in den Dollespark verlagert, das Projekt sei im vereinfachten Verfahren binnen sechs Monaten und damit zeitnah realisierbar, entgegnet Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig. Die Nutzung des derzeitigen Bolzplatzes verbiete sich schon deshalb, weil er von Jugend und Eltern gut frequentiert werde. Für seine Überbauung müssten bis zu zwei Jahre Planungszeit eingerechnet werden. Und er müsste kostenaufwändig aufgefüllt werden.
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