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20.04.2019, 06:22 Uhr | AZ Mainz/Dieter Oberhollenzer
"Überall ein Draufleggeschäft"
Der Unternehmer Nils-Oliver Freimuth möchte in Bodenheim ein Hallenbad bauen. Aber in der VG, besonders in der Politik, gibt es Zweifel an der Finanzierung und Rentabilität.
VG BODENHEIM. Die Absicht des Unternehmers Nils-Oliver Freimuth, innerhalb von fünf Jahren in Bodenheim ein Hallenbad zu bauen, sorgt für Gesprächsstoff in der Verbandsgemeinde Bodenheim und darüber hinaus. Besonders die Schulen in der VG und im südlichen Mainz sollen dort für den Schwimmunterricht eine neue Anlaufstelle finden. Die AZ hat bei Verwaltungen und in Schulen nachgehört. Tenor, auch bei vielen Kommentaren im Netz: Die Privatinitiative wird vorsichtig positiv bewertet, doch gibt es große Zweifel an der Finanzierung und Rentabilität.
 
Über 3000 Grundschüler und Gymnasiasten aus der VG Bodenheim haben im vergangenen Jahr das Hallenbad in Oppenheim im Rahmen des Schwimmunterrichts besucht. Archivfoto: hbz/Michael Bahr
Viertklässler schwimmen wöchentlich in Oppenheim
 
In der Verbandsgemeinde Bodenheim mit den vier Grundschulen in Bodenheim, Nackenheim, Gau-Bischofsheim und Lörzweiler nehmen aktuell 140 Schüler der vierten Klassen am regelmäßigen Schwimmunterricht teil. Für die Fahrtkosten ins Hallenbad nach Oppenheim und die Eintritte bezahlt die Verbandsgemeinde als Schulträger 10 000 Euro im Schuljahr, schildert Bürgermeister Dr. Robert Scheurer (CDU) das Prozedere in der VG.
 
"Generell befürworte ich einen Neubau in Bodenheim. Ich habe allerdings Bedenken, ob ein solches privates Vorhaben auch finanziert werden kann", erklärt Scheurer und stellt für die öffentliche Hand fest: "Wir können uns ein solches Bad nicht leisten." Skeptisch sei er auch, ob die anvisierten Landeszuschüsse zeitnah bereitgestellt würden: "Beim Sportzentrum Bürgel haben wir 20 Jahre gewartet." Der Bürgermeister stellt allerdings Mittel aus dem Sportstättenfonds der VG in Aussicht, "je nach Baufortschritt".
 
Die Grundschulen in der VG halten sich mit offiziellen Statements zurück. Für die VG-Verwaltung ist klar, dass sich mit einem Hallenbad in Bodenheim der Zeitverlust durch kürzere Wege verringern würde. "Von einer Doppelstunde bleiben derzeit noch 40/45 Minuten reiner Schwimmunterricht in Oppenheim", gibt die Bodenheimer Lehrerin Miriam Engel ein Beispiel. Aber: Einen zeitlichen Verlust für Weg und Umziehen "haben wir beim Sportunterricht der vierten Klassen ebenfalls, wenn wir zur Guckenberghalle in Bodenheim laufen".
 
"Kalkulatorisch und finanziell sehr ambitioniert, also eine Herausforderung", nennt der Bodenheimer Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig (SPD) das Vorhaben von Nils-Oliver Freimuth. Man sollte vielmehr überlegen, die Bemühungen von Land, Kreis sowie Kommunen Oppenheim, Nieder-Olm und Mainz zu bündeln, "um die bestehenden Schwimmbäder zu erhalten und dortige Angebote zu verbessern". Die Gemeinde Bodenheim könne sich an der Finanzierung des Privatvorhabens nicht beteiligen. Auf die teilweisen hohe nDefizite bei der Unterhaltung von öffentlichen Bädern macht die Nackenheimer Ortsbürgermeisterin Margit Grub (CDU) aufmerksam: "Das ist überall in Draufleggeschäft." Ein Neubau in Bodenheim sei zwar wünschenswert, aber wohl nicht umsetzbar. Und: In der VG mit rund 20 000 Einwohnern eine jährliche Besucherzahl von 100 000 zu erreichen, das sei schwierig.
 
Zurückhaltend gibt sich der Kreis als Träger der weiterführenden Schulen, darunter das Gymnasium in Nackenheim. "Die Kreisverwaltung ist dabei, einen umfassenden Sportstättenleitplan zu erstellen. Hier werden die sportlichen Bedarfe kreisweit ermittelt, auch wie die Sportstätten im Einzelnen genutzt werden. Das Schulschwimmen ist dabei ein Bestandteil", heißt es in einer Stellungnahme aus Ingelheim. Apropos Nackenheim: Die Sechstklässler und die Schüler der Oberstufe fahren derzeit ebenfalls nach Oppenheim zum Schwimmunterricht. Nils-Oliver Freimuth geht in Bodenheim, wie berichtet, von einem Investitionsvolumen von sechs Millionen Euro und 100 000 Besuchern aus. Er will das Vorhaben mit Landeszuschüssen und Eigenleistung (Spenden) finanzieren und mit dem gerade gegründeten Schwimm Sport Club (SSC) "Freispeed" kostenneutral betreiben. Demnächst soll der Bedarf in der VG und im südlichen Mainz ermittelt werden. Als Bauplatz stellt sich der Unternehmer das Areal der Tennisanlage in der Rheinallee oder ein benachbartes Gemeindegrundstück vor.
 
Unabhängig von der Entwicklung in Bodenheim kommen auf den Schulsport in der Region große Probleme zu. Der Grund: Das Oppenheimer Hallenbad muss wegen umfangreicher Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten im Jahr 2020 oder 2021 für gut ein Jahr geschlossen werden.
 
ÜBER 3000 SCHÜLER
 
Der regelmäßige Schwimmunterricht für die Schulen in der VG Bodenheim findet im Hallenbad Oppenheim statt. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 2150 Grundschüler aus den fünf Gemeinden der VG Bodenheim gezählt, teilt der Oppenheimer VG-Beigeordnete Helmut Schmitt der AZ auf Anfrage mit. Dazu kommen noch rund 1000 Schüler aus dem Nackenheimer Gymnasium.
 
Über 3000 Grundschüler und Gymnasiasten aus der VG Bodenheim haben im vergangenen Jahr das Hallenbad in Oppenheim im Rahmen des Schwimmunterrichts besucht. Archivfoto: hbz/Michael Bahr
 
 
Die Artikelverlinkung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der VRM GmbH & Co. KG Mainz
 
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