02.04.2019, 08:33 Uhr | AZ Mainz/Kirsten Strasser
Bürgerfahrt: Ab nach Berlin - auf Einladung von Marcus Held
Obwohl er seit über einem Jahr krankgeschrieben ist, lädt der SPD-Bundestagsabgeordnete Marcus Held ihm genehme Bürger aus seinem Wahlkreis Worms-Alzey-Oppenheim zu "Bürgerfahrten" ein.
OPPENHEIM/BERLIN - Das Programm ist üppig. Abstecher in den Deutschen Bundestag und zu anderen Berliner Sehenswürdigkeiten, Museums- und Ausstellungsbesuche, Reinschnuppern ins "historische und politische Berlin". Wenn sich 50 Männer und Frauen aus Rheinhessen an diesem Mittwoch auf den Weg in die Bundeshauptstadt machen, dann tun sie dies auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten (MdB) Marcus Held.
 
Marcus Held vor dem Bundestag in Berlin. Archivfoto: DBT/ Stella van Saldem
Richtig gelesen: Obwohl Held seit über einem Jahr keinen einzigen öffentlichen Termin als Abgeordneter wahrnahm, weder in seinem Wahlkreis Worms-Alzey-Oppenheim noch in Berlin, lädt der 41-Jährige zur "Bürgerfahrt" ein. Auf Staatskosten, Wer will, kann dafür sogar Bildungsurlaub beantragen. Wer mit von der Partie ist, bleibt freilich das Geheimnis von Held und seinem Berliner Büro – das möchte "aus Datenschutzgründen" keine näheren Angaben machen. Fest steht aber: In SPD-Kreisen seines Heimatwahlkreises kommen die Aktivitäten des dauerkrankgeschriebenen – man könnte auch sagen: abgetauchten – Abgeordneten gar nicht gut an.
Kritik aus Reihen der SPD
"Ich finde das einfach unmöglich", sagt Willi Keitel. Er ist Helds Nachfolger als Oppenheimer SPD-Vorsitzender und hat diesen bereits aufgefordert, auch sein Bundestagsmandat niederzulegen. Dass er stattdessen ihm genehme Bürger zu Reisen nach Berlin einlade – "da muss sich Schmittchen Normalbürger einfach vera.... vorkommen." Ob jemand aus Oppenheim mitfahre, wisse er nicht.
"UNBEDENKLICH"
Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Hagemann bewertet die Bürgerfahrten seines Nachfolgers Marcus Held undramatisch. "Ich sehe sie nicht als bedenklich an", sagt Hagemann. Jeder Abgeordnete habe Anspruch darauf, davon mache Held Gebrauch. Zudem sei ein Abgeordneter ohnehin nicht permanent bei der Reise dabei, die Treffen mit ihm seien lediglich "die Höhepunkte", erinnert sich Hagemann an seine eigene Zeit als MdB in Berlin.
Ähnlich äußern sich die Wormser Landtagsabgeordneten Kathrin Anklam-Trapp und Jens Guth. Ihm sei, wie auch dem Alzeyer SPD-Chef Heiko Sippel, kein Ortsverein bekannt, der an der Bürgerreise teilnehme, sagt Guth, der zudem Vorsitzender der SPD Worms ist. "Wir können natürlich nicht ausschließen, dass dennoch Einzelpersonen teilnehmen – wofür ich überhaupt kein Verständnis hätte!" Von Held erwarte er anderes: "Ich hoffe, dass Herr Held zur Selbsterkenntnis kommt und endlich sein Mandat niederlegt."
Sie sei verwundert und alles andere als erfreut darüber, von dieser Bürgerreise zu erfahren, betont MdL Anklam-Trapp. "Solche aus Steuergeldern finanzierten Bürgerfahrten zu veranstalten, während der Abgeordnete offiziell krankgeschrieben ist – das geht gar nicht." Wenn sie Bürger in den Mainzer Landtag einlade, kümmere sie sich selbstverständlich um ihre Gäste. "Ohne mich könnte das mein Wahlkreisbüro allein gar nicht übernehmen."

Die Artikelverlinkung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der VRM GmbH & Co. KG Mainz
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