02.03.2019, 06:42 Uhr | AZ Mainz/ Ka­thrin Dam­witz
Zwist um Kita-Standorte Bodenheim geht weiter
Kindergärten im Gewerbegebiet? Für Altbürgermeister Horst Kasper (SPD) ein Unding. Amtsinhaber Becker-Theilig (SPD) entgegnet, dass wegen großer Nachfrage rasch gebaut werden musste.
BODENHEIM . Nach der Eröffnung der neuen Kindertagesstätte "Mühlbachstörche" im Gewerbegebiet "Bürgel" gehen die Debatten um die Standorte der Einrichtungen weiter. Alt-Bürgermeister Horst Kasper (SPD, von 1973 bis 1984 im Amt) hat im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung darauf hingewiesen, er erachte es als einen "Skandal", dass die Kinder sowohl in der Einrichtung "Am Kuemmerling" als auch beim Neubau im "Bürgel" beim Spielen im Freien dem Feinstaub seitens des Lkw-Verkehrs ausgesetzt seien. "Wie kann man in den Außenbereichen einer Gemeinde gleich zwei Einrichtungen planen?", fragt er. Solche Kitas gehörten in den Ortskern, damit die Kinder von Betreuungspersonen auch mal zu Fuß gebracht werden könnten. Er sei der Auffassung, bei Planung des Neubaugebietes Leidhecke/Kapelle hätte eine Kindertagesstätte ausgewiesen werden müssen. "Da wohnen die jungen Familien, da braucht es eine solche Einrichtung", findet Kasper.
 
Die neue Kita Mühlbachstörche ist wegen des Standorts im Gewerbegebiet umstritten.Foto: hbz/Michael Bahr
Er stellt ferner klar, dass er und weitere Anwohner der Kita "Wühlmäuse" (Dollespark) keinesfalls gegen deren Erweiterung seien, sondern gegen den Bau derselben auf dem Spielplatz "Westrum". Er sieht die Anwohnerinitiative durch die Behauptung, sie wolle keine Kindergartenerweiterung, in ein falsches Licht gerückt. Vielmehr sei die Gruppe für den Anbau – allerdings mache er in Richtung Bolzplatz mehr Sinn. Denn so könnte der Spielplatz "Westrum", der laut aktueller Planung als Gelände für die Erweiterung dienen solle, erhalten werden. Wie berichtet, hatten die Anlieger diese Bedenken geäußert, als die Planung für die Erweiterung der Kita im Gemeinderat behandelt wurde. Der Rat hatte die Eingaben zurückgewiesen. Kasper, und einige Nachbarn hatten dafür plädiert, den alten, eingewachsenen Spielplatz zu erhalten, da viele kleine Kinder aus dem "Westrum" diesen nutzen.
 
Der jetzige Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig (SPD) erinnert im Gespräch mit der AZ an die Umstände der Kita-Planungen. Im "Bürgel" habe die Ortsgemeinde das Grundstück für die "Mühlbachstörche" besessen, es habe sofortiges Baurecht bestanden. "Wir haben den Rechtsanspruch auf Kitaplätze schon für Einjährige zu erfüllen und müssen den hohen Bedarf decken."
 
"Die Nachfrage nach Kita-Plätzen in Bodenheim stieg ab Mitte 2016 enorm an. Die Kita-Betreuungslandschaft hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Konnte die Gemeinde früher mit maximal 40 Prozent Betreuungsquote bei den bis Dreijährigen rechnen, müssen wir heute 85 Prozent Betreuungsquote ab dem zweiten Lebensjahr und zusätzlich 50 ab dem ersten Lebensjahr zu Grunde legen", unterstreicht er. Neben dem Zuzug ins Wohngebiet Leidhecke habe sich unter anderem auch der Ortskern dynamisch entwickelt. Als Beispiele nennt er das frühere "Rewe"-Gelände, den "Liebrecht'schen Garten" sowie die Ölmühlstraße. Summa summarum seien hier rund 60 Wohneinheiten ausgewiesen worden. Vor allem junge Familien zogen ein – mit vielen Kindern. "Bis Kreis und Land aber den Bedarf weiterer Kita-Plätze und Neubauten in Bodenheim anerkannten, dauerte es bis 2017."
 
Zur Historie der Baugebietsentwicklung Kapelle/Leidhecke gibt der Ortsbürgermeister zu bedenken, dass "parallel zum Neubaugebiet Kapelle" der katholische Kindergarten mit 75 Betreuungsplätzen entstand. Dessen Grundstück habe die Ortsgemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt. Es habe damals unter seinem Amtsvorgänger gegenüber den Genehmigungsbehörden "keinen belegbaren Bedarf" gegeben, im Neubaugebiet noch eine Kita zu errichten. Zudem habe die Gemeinde dort über keinerlei eigene Flächen verfügt. Die Grundstücksbesitzer in Kapelle hätten also Grund und Boden als Gemeinbedarfsfläche abtreten müssen (etwa 2000 Quadratmeter für einen Kita-Neubau). Durch den Flächeneinwurf für die Ortsrandstraße, die Ausgleichsflächen, für die Friedhofserweiterung erhöhte sich ihr Flächenabzug aber ohnehin schon auf fast 49 Prozent. "Das Gesamtvorhaben drohte, an dem hohen Flächenabzug zu scheitern. Die Gemeinde sicherte zu, dass der Flächenabzug unter 50 Prozent blieb", stellt Becker-Theilig klar.

 

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